Gruß nach Arnstadt

Ein etwas anderes Interview

Der Bassbariton Klaus Mertens ist viel unterwegs. Eine Anfrage des Bach-Festival Arnstadt für ein Interview hat er mit einer ganz persönlichen, wundervollen Mail beantwortet.

Während dieses Interviews befinde ich mich in Leipzig, wo nach zwei – nicht nur für alle Bach-Freunde und Musiker – extrem schwierigen Jahren nun wieder das große Bachfest unter weitgehend „normalen“ Verhältnissen über die Bühne gehen kann. Dabei habe ich das große Glück, meine drei Konzertbeiträge in den drei originalen Bachkirchen singen zu können: So gab es in der Thomas- sowie der Nikolai-Kirche zu Bach’s Zeit zahlreiche Erstaufführungen seiner Werke sowie Dienste mit Kantaten, Motetten, geistlicher Musik überhaupt. In der inzwischen wieder aufgebauten Pauliner Kirche (Universitätskirche) versah Bach regelmäßig gewisse Dienste. Dass man in St. Thomas sogar an seinem Grab musiziert, toppt eigentlich alles. Für mich ist es stets etwas sehr Besonderes und zusätzlich motivierendes, an originalen Orten singen zu können. So verhält es sich auch mit Arnstadt, wo der junge Bach bereits Großes schuf.
 
Dass ich in meiner bisherigen Karriere das große Glück hatte, als weltweit einziger Sänger das gesamte vokale Werk Johann Sebastian Bach’s und Dieterich Buxtehudes in zahllosen Konzerten zu singen und auf CD zu produzieren, erfüllt mich mit großer Dankbarkeit, Freude, auch mit ein wenig Stolz. Die Frage nach der damit gewiss auch verbundenen physischen Belastung – all dies ist natürlich auch ein Kraftakt – stellte sich mir dabei allerdings nie. Bis heute werden bei mir derartige Fragen überlagert von meiner grenzenlosen Begeisterung für die Vokalmusik – heute freilich mit einem schier grenzenlosen Spektrum – und der Freude am Gesang.
 
Im Gegensatz zu anderen Epochen – vorher wie nachher – begeistert mich am Barock die Fülle, Pracht und Üppigkeit auf allen Ebenen. In der Musik – hier exemplarisch und im besten Sinne nicht nur in den vokalen Werken Bach’s zur Übereinstimmung gebracht – kommen für mich der Gottesbezug, die tiefe Gläubigkeit hinzu. Etwas, was heute weitgehend abhanden gekommen ist und beim Erleben Bachscher Musik wieder durchschimmert.
 
In diesem Jahr 2022 erinnert sich die Musikwelt u.a. des 125. Todesjahres des großen Romantikers Johannes Brahms – ebenfalls ein großer Verehrer der einzigartigen Kompositionskunst Johann Sebastian Bach‘s. Neben zahlreichen wunderschönen Liedern komponierte Brahms jedoch nur einen Liederzyklus: „Die schöne Magelone“. Er basiert auf der ebenso alten wie beliebten provençalischen Liebesgeschichte, deren romantisierte Version von Ludwig Tieck Brahms als Basis diente. Eine Besonderheit dieses Zyklus‘ ist, dass normalerweise ein Sprecher / Schauspieler die Liebesgeschichte zwischen den 15 Liedern weiter erzählt. Da ich neben meiner Tätigkeit als Sänger sehr gerne auch Sprechrollen übernehme, ist es alleine schon eine Besonderheit dieser CD beziehungsweise der Konzerte mit diesem Zyklus, dass ich hier beide Rollen übernehme. Auch diese CD spielte ich in der für alle Musiker so schweren Corona – Zeit ein. Sehr gerne wäre ich bereit, auch diesen wunderschönen Liederzyklus in Arnstadt zu singen.

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